Ulrike Kreinig gibt den Ehrenamtspreis Fee Award 2016 aus Protest zurück an Stadtrat Kurt Hohensinner (Graz)

(Graz, 24.1.2018) Gestern gab Ulrike Kreinig dem Grazer Integrationsstadtrat Kurt Hohensinner den Fee Award 2016 zurück. Ein herauszustreichendes Beispiel für Zivilcourage und Menschlichkeit, wie wir meinen. Um auch andere Menschen aus der Zivilbevölkerung, die in vielen Belangen dem Drüberregieren der Regierung den Kampf angesagt haben, zu ermutigen, Ähnliches zu tun, übermitteln wir die Vorgeschichte, die zur Rückgabe des Preises führte.

Ulrike Kreinig: „Ehrenamtlich für andere Menschen tätig zu sein, erfüllt mein Leben mit Sinn und großer Zufriedenheit“.

Frau Kreinig spricht nicht nur davon, nein sie handelt auch dem entsprechend. An vielen Orten hilft sie, wo sie kann. Unter anderem betreute sie eine tschetschenische Flüchtlingsfamilie, mit 6 Kindern. In den 3,5 Jahren sind ihr diese Menschen ähnlich einer eigenen Familie ans Herz gewachsen. Die Familie nennt sie liebevoll „Oma Uli“. All ihre FreundInnen und Bekannten sind mit der Familie vertraut.

Sonntag, 21.1.2018 in Graz von der Fremdenpolizei aus dem Schlaf gerissen wurde nun genau jene Familie am Dienstag, 23.1.2018 in die Russische Föderation abgeschoben. Ohne Rücksicht darauf zu nehmen, dass die Familie bestens integriert ist, der Vater und ein Sohn ein Arbeitsangebot bei der österreichischen Post hatten, die Kinder hier in die Schule gehen.

Abschiedsbriefe der Schulkollegen bringen die Trauer der FreundInnen zum Ausdruck. Die Familie hat 5 Jahre in Österreich alles getan, um hier einen Beitrag zur Gemeinschaft zu leisten, war bestens in die österreichische Gemeinschaft integriert, doch all dies wurde in keinster Weise berücksichtigt.

Die Kinder wurden mit ihren Eltern erneut ins Nichts geschickt und aus einer intakten Gemeinschaft gerissen. Die Begründung des ablehnenden Bescheides des Asylantrages: „Unglaubwürdigkeit des Vorbringens“ (durch den Vater der Familie) darf wohl als persönliche Einschätzung der sachbearbeitenden Beamtin und des Übersetzers gewertet werden, denn der Fluchtgrund wurde seitens der Behörden nie wirklich richtig geprüft. Der Antrag auf subsidiären Schutz läuft noch bei der Behörde.

Um ihr Unverständnis, ihren Protest und ihre Trauer gegen die Haltung der österreichischen Bundesregierung in Sachen Abschiebungen zum Ausdruck zu bringen, gab Ulrike Kreinig anlässlich des Neujahrsempfangs dem Integrationsstadtrat Kurt Hohensinner den Preis 2016 erhaltenen Preis für herausragende ehrenamtliche Leistungen zurück.

Viele Menschen zeigten sich von dieser Haltung sehr beeindruckt und übermittelten  unzählige Dankes- und Gratulationswünsche.

Viele Ehrenamtliche unterstützen nun den Protest von Frau Kreinig und fordern eine öffentliche Debatte betreffend die momentan praktizierte Abschiebepolitik. Die Ehrenamtlichen sind darüber erzürnt, dass das Tun und Arbeiten der Zivilbevölkerung, das man als direkte Demokratie werten kann, in keiner Weise berücksichtigt wird. Zudem ist man sich in der Zivilbevölkerung darüber einig, dass aufgrund der im Verfassungsrang stehenden Europäischen Menschenrechtskonvention ein Bleiberecht besteht.

In der Gewissheit, dass es ein Privileg ist, in einigermaßen geordneten Verhältnisse hinein geboren worden zu sein, wird die Zivilbevölkerung jedenfalls nicht nachlassen und Unrecht schonungslos thematisieren. Dies betrifft nicht nur ausländische MitbürgerInnen, sondern auch zunehmend Inländer, die von der Wirtschaft missbraucht, vom System arm gemacht, vom System benachteiligt oder von einzelnen Gesellschaftsschichten an den Rand gedrängt wird!